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historischer Roman aus Uri - die Urgrossmutter

Historische Recherche zum 19. Jahrhundert

Wo und wie ich Quellen für meine historischen Romane recherchiere

Ich werde oft gefragt, wie ich recherchiere. Wie ich an Informationen komme, wenn doch das Leben einfacher Leute, und ganz besonders dasjenige von Frauen, kaum dokumentiert ist. Aber genau das macht die Recherche für mich so spannend. Es ist ein bisschen wie eine Schatzsuche: Ich weiss nie, was ich finde, aber jeder Fund erzählt ein Stück Geschichte.

Darum zeige ich Ihnen hier, wo ich überall auf erstaunliche Geschichten stosse und wie ich daraus einen Roman verfasse. 

Oft finde ich "per Zufall" die spannendsten Dinge, nach denen ich gar nicht gesucht hatte. Die Recherche ist immer wieder überraschend und zwingt mich ziemlich häufig, den Verlauf der Romane zu ändern. Darum dauert das Schreiben mehrere Jahre.

Meine Recherche beginnt mit meiner Familiengeschichte

Familienchronik als Quelle
alte Briefe meiner Vorfahren
Tagebuch meiner Mutter als Quelle

Primäre Quellen aus meiner Familie: Chroniken, Briefe, Fotos, Tagebücher

Ich hatte das Glück, dass frühere Generationen Dinge aufgehoben haben, die man heute oft wegwerfen würde: Familienchroniken mit Stammbäumen, Fotos, Briefe, Tagebücher, Schulaufsätze, Zeugnisse.

 

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich im Kleiderschrank meiner Mutter eine Schachtel voller Dokumente fand, von deren Existenz ich nichts gewusst hatte.

Am meisten berührte mich der Entwurf eines Briefes, den meine Mutter an mich hatte schreiben wollen, aber nie abgeschickt hatte. Darin forderte sie mich auf, aus den Dokumenten "etwas Sinnvolles" zu machen.

Diese Schachtel öffnete mir die Tür zur Welt meiner Vorfahren. Ich begann zu lesen und wollte bald mehr wissen.

Recherche in Zeitungen und Zeitschriften

Ich verbringe viel Zeit in den digitalen Zeitungsarchiven der ETH Zürich. Es ist ein bisschen wie Zeitreisen mit Volltextsuche.

Ich tippe einen Ortsnamen ein – Flüelen, Näfels, Gruonbach – und plötzlich öffnet sich eine ganz neue Welt aus vielen spannenden Details.

Manchmal finde ich nichts. Manchmal finde ich zu viel. Und manchmal finde ich etwas, das mich tagelang nicht loslässt, weil ich mehr erfahren möchte.

Meine wichtigsten digitalen Anlaufstellen sind:

Die Axenstrasse kurz nach der Eröffnung um 1864, aus dem Grafikarchiv der ETH Zürich

Näfels auf der Dufourkarte von 1854

Historische Karten sind unverzichtbar

Wenn ich schreibe, muss ich wissen, wie ein Ort damals aussah. Welche Wege es gab. Wo der Fluss verlief. Ob die Eisenbahn schon gebaut war.

Die Swisstopo‑Zeitreise ist dafür ein ideales Werkzeug. Dort finde ich Karten seit 1844 und staune, wie klein die Orte früher waren. 

Und manchmal hilft mir ein alter Reiseführer weiter. Diese Werke enthalten oft Ortspläne, geben Auskunft über Preise für Kutschen oder wie lange eine Wegstrecke dauerte. Solche Details liebe ich.

Wie schrieb man damals korrekt?

Wenn ich in alten Dokumenten suche, muss ich kreativ werden. Ortsnamen wurden früher geschrieben, wie man sie hörte. Gruonbach, Grunbach, Grünbach. Mit jeder Schreibweise erhielt ich neue Treffer. 

Auch Familiennamen hat jeder Schreiber anders geschrieben. Und OCR‑Software macht aus einem „s“ gerne ein „f“, was die Suche erschwert.

Darum tippe ich immer Varianten ein. Manchmal ist die "falsche" Schreibweise der Schlüssel zu einem wichtigen Artikel oder Dokument.

Rechtschreibung auf alten Karten.png

Der Gruonbach hiess damals Grünbach, Altdorf wurde Altorf geschrieben. Das erschwert die Recherche auf historischen Karten.

Wetterdaten 1891 von der Station Altdorf

Man kann ganz genau recherchieren, wie das Wetter früher war. Hier das Datenblatt für Altdorf 1891

Wie war das Wetter damals?

Für meine historische Recherche ist das Wetter oft entscheidend. Besonders häufiger Regen führte zu Missernten und Hungersnöten. Ungewöhnliche Kälte wirkte sich auf den Bau der Gotthardbahn aus. Gewitter verursachten Überschwemmungen, rissen Häuser oder Trassen mit. 

 

MeteoSchweiz hat ein Wetterarchiv. Die Annalen reichen zurück bis 1864. Dort recherchiere ich solche Details, die meine Romane lebendig und authentisch machen. 

 

Recherche in Archiven

Archive sind für mich wie Schatzkammern. Es gibt nicht nur die Staats- oder Landesarchive, sondern auch kleinere, die sich auf ein Thema spezialisiert haben, wie z. B. SBB historic.

 

Viele Bestände sind zum Glück digitalisiert, sodass ich die Kataloge in Ruhe zuhause durchstöbern kann. Ich bestelle die Dokumente vor, um die Zeit vor Ort gut zu nutzen. Ich fahre nach Altdorf, Glarus, Zürich, Näfels... und dann beginnt die eigentliche Arbeit: Lesen, Entziffern, Suchen, Notieren, Kopieren, Weiterlesen. Das dauert meist den ganzen Tag, weil ich mich durch einen Berg von Dokumenten arbeite.

Ausschnitt aus den Akten des Prozesses, den meine Vorfahren gegen den Kanton Uri geführt haben.

Auf diesem von Hand gezeichneten Stammbaum sind nur die Söhne eingezeichnet. Die Töchter fehlen...

Stammbäume als Quellen

Für Uri und Glarus habe ich das grosse Glück, dass viele Kirchenbücher digitalisiert sind. Ich kann Geburten, Taufen, Ehen, Todesfälle verfolgen. So stosse ich bei der Recherche plötzlich auf interessante Details:

  • Was wurde aus den Geschwistern?

  • Wer waren die Grosseltern?

  • Manchmal sind Todesursachen vermerkt

  • Manchmal liegt der Sterbeort in Amerika

  • Manchmal ist ein Beruf vermerkt

  • Manchmal sind Ausschnitte aus dem Amtsblatt in den Stammbaum übertragen.

 

Ohne diese immense Vorarbeit von Freiwilligen, die alte Kirchenbücher entziffert und digitalisiert haben, könnte ich meine Romane nicht schreiben.

Für Uri sind Stammbäume hier aufgeführt: Urnergeschlechter

Für Glarus findet sich Information zu Familien hier: Glarus Family Tree 

Wie aus den recherchierten Quellen ein historischer Roman entsteht

Auch wenn es fast keine Dokumente aus der Zeit mehr gibt, kann ich unglaublich viel über das Leben meiner Vorfahrinnen herausfinden. Es sind meist keine Einzelheiten aus deren persönlichem Leben, aber ich kann aus den gefundenen Quellen rekonstruieren, wie das Leben damals für die Menschen war:

  • Zeitungsartikel berichten, was sie erlebt haben. Wovon waren sie Zeitzeugen?

  • Ich weiss genau, wie das Wetter war.

  • Ich sehe auf Karten, wie klein die Dörfer waren.

  • Vereinzelte Dokumente berichten sogar über die von mir recherchierten Personen: Prozessakten, Mitteilungen im Amtsblatt, Inserate, und so weiter. 

Und genau daraus entstehen meine Romane: aus kleinen Funden, grossen Fragen und der Freude am Entdecken. Die von mir beschriebenen Figuren stehen stellvertretend für die Menschen von damals.

Wenn Sie sehen möchten, wie diese Recherche in Geschichten verwandelt aussieht – dann finden Sie dies in meinen Büchern. Dort leben die Frauen weiter, die in den Archiven oft nicht einmal als Randnotiz auftauchen. Im Roman Mädchenträume begleiten Sie ein Mädchen auf seinem Weg zur jungen Frau. Der Roman Schicksalswendungen zeigt die Schwierigkeiten einer Unternehmerin im 19. Jahrhundert.

Im Shop können Sie die Romane kaufen. Dort sind sie auch als E-Book erhältlich. Und sonst in jeder Buchhandlung. 

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