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historischer Roman aus Uri - die Urgrossmutter

In Vorbereitung:
Romanprojekt aus dem Kanton Glarus

Zwei junge Frauen in Ennenda und Näfels zwischen 1840 und 1849

1838 Näfels gegen Süden mit dem Kloster auf dem Burghügel

Näfels um 1838 mit dem Kloster auf dem Burghügel.

Der neue Roman dreht sich um zwei junge Frauen aus zwei unterschiedlichen Welten. Für beide Romanfiguren sind Vorfahrinnen die Vorbilder.

Auf der einen Seite die reformierte Herrentochter aus Ennenda, die einen reichen Erben heiraten soll und das nicht will. Sie hält sich nicht an die sozialen Normen und heiratet einen katholischen Arbeiter. Ihr Vater verurteilt sie und wirft sie aus der Familie.

Auf der anderen Seite die Tochter einer Hebamme aus Näfels, die den Mann, den sie liebt, nicht heiraten darf, weil das junge Paar zu arm ist.

Die Wege der beiden kreuzen sich, ihre Schicksale verbinden sie. Beide sind "Gefallene", die sich ihren Weg in der katholischen Gemeinde Näfels gegen Vorurteile und soziale Ausgrenzung erkämpfen müssen.

Was geschah mit ledigen Müttern und ihren unehelichen Kindern?

Mutter mit Kind von Angelika Kauffmann 1763.jpg

Ledige Mütter wurden im 19. Jahrhundert ausgegrenzt

In meinen Recherchen stiess ich bei meinen Glarner Vorfahren erstaunlich oft auf uneheliche oder vorehelich gezeugte Kinder. Ich war schockiert, wie brutal die Frauen deswegen von den anderen Dorfbewohneren behandelt wurden: sie mussten eine spezielle Kopfbedeckung tragen und in der Kirche in der vordersten Reihe auf einer "Schandbank" sitzen. 

Die Hebammentochter verliert ihre Berufschance, ihren Geliebten und später auch ihr Kind. Die Herrentochter zieht aus der Villa in Ennenda zu ihrem Schwiegervater und der Schwägerin in eine einfache Wohnung in Näfels und muss konvertieren, damit sie heiraten darf. Ihr Leben verändert sich radikal und ohne Möglichkeit zurückzukehren.

Da beide Protagonistinnen dieses Schicksal teilen, werden sie mit der Zeit Freundinnen, die sich gegenseitig unterstützen. 

Der Kulturkampf in den 1840er Jahren: Reformierte gegen Katholiken

Sonderbundskrieg 1847 - kämpfende Truppen

1847 bekämpften sich Truppen der Radikalen und katholische Truppen des Sonderbundes. Nach Ende des Bürgerkrieges wurde die Schweiz gegründet.

Die 1840er Jahre waren geprägt vom so genannten "Kulturkampf". Die Radikalen, mehrheitlich reformierten Kräfte, wollten einen säkularisierten Staat. Die katholischen Kantone waren hingegen papsttreu und wollten die geltende Ordnung beibehalten. Es kam zu Freischarenzügen und schliesslich zu einem blutigen Bürgerkrieg, den die Radikalen gewannen. Als Folge wurde 1848 der Schweizerische Bundesstaat gegründet, so wie wir ihn heute kennen.

Inmitten dieser Wirren verliebt sich die reformierte Herrentochter ausgerechnet in einen Katholiken. Das bedeutete in den Augen ihres Vaters Verrat an allem, was ihm wichtig war. Sie muss zum katholischen Glauben konvertieren, damit sie den Vater ihres werdenden Kindes heiraten darf. 

Wie die Fabriken den Alltag der Glarner Bevölkerung prägten

Kunz'sche Fabriken in Linthal 1885

Die Industrialisierung liess in kleinen Dörfern riesige Fabriken entstehen.

Der Kanton Glarus gehörte zu den Regionen der Schweiz, wo die Industrialisierung früh einsetzte. Der Fabrikherr, der Vater meiner Romanfigur, gehörte zu den Pionieren der Textilindustrie. Die Familie war sehr reich und lebte in einer Villa. 

Ein grosser Teil der Glarner Bevölkerung war hingegen sehr arm. Viele arbeiteten in den Fabriken 12 - 14 Stunden täglich. Die Arbeit war kräftezehrend, laut und heiss. Zudem war sie so schlecht bezahlt, dass die ganze Familie arbeiten musste, Männer, Frauen und Kinder. 

Durch die politischen Wirren in Europa geriet die Textilindustrie in Glarus in Bedrängnis. Viele Arbeiter verloren ihre Arbeit und waren extrem abhängig von den Fabrikbesitzern.

Die Hungerkrise

330px-Kartoffelrevolution_1847_Katzler.jpg

In ganz Europa hungerten die Leute, weil es keine Kartoffeln mehr gab. Hier eine Szene aus Berlin.

"Sturm auf die Kartoffelstände", Lithografie. Illustration zur sogenannten Kartoffelrevolution in Berlin, April 1847. 

Vinzenz Katzler, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Kartoffelfäule in den Jahren 1845 - 1847 zerstörte die Ernte in ganz Europa. Die Menschen hungerten, weil es durch schlechtes Wetter auch zu Missernten kam. 

In den kleinen Glarner Dörfern richteten die Behörden Suppenküchen ein, während die Fabrikherren verbilligtes Getreide an ihre Arbeiterschaft abgaben, sodass die Leute nicht starben, aber viele verarmten völlig. Die Gemeinden ordneten zudem Prozessionen und Gebete an, weil sie sich sonst nicht zu helfen wussten.

Das Freischiessen (Schützenfest) als Chance

1847 Freischiessen in Glarus Festgelände

Das Festgelände des Schützenfestes in Glarus 1847

Das Schützenfest wurde in Glarus zu einer Art Parteiveranstaltung der Radikalen. Mit aufrührerischen Reden versuchten sie die Teilnehmer auf ihre Seite zu ziehen. In einer Zeit des Hungers und der Armut, protzten die Schützen mit ihren Preisen im Wert von tausenden von Franken.

Da zahllose Festbesucher auf ihrem Weg zum Fest durch Näfels marschieren oder fahren mussten, verstanden es die Näfelserinnen, das Fest zu ihren Gunsten zu nutzen und bewiesen ihren Geschäftssinn.

Themen, die mich beim Schreiben begleitet haben

Der neue Roman, der im Entstehen ist, umfasst folgende Themen:

  • die soziale Ausgrenzung

  • Stärke, die durch den Zusammenhalt von Ausgestossenen entsteht

  • Mut, trotz Verurteilung durch die Dorfgemeinschaft standhaft zu bleiben.

Es ist die Geschichte von zwei jungen Frauen in einer Zeit, in der Armut als persönliches Versagen gewertet wurde. Die schwelenden politischen Konflikte erschweren ihr Schicksal.

 

Ihr Mut und ihr Durchhaltewillen vermögen uns bis heute zu beeindrucken.

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