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Was sind Sporteln?

Sporteln waren im 19. Jahrhundert ein verbreitetes Vergütungssystem für Beamte und beamtenähnliche Berufsgruppen wie Gemeindeschreiber, Richter, Weibel oder Läufer. Auch der Pfarrer gehörte zu den Empfängern. Er erhielt für Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen oder Bestattungen von den Gemeindemitgliedern einen bestimmten Betrag. Das war ein fixer Bestandteil seines Einkommens.


Hände zählen die Münzen (Sporteln)
Sporteln - Entschädigungen für Dienstleistungen - waren im 19. Jahrhundert Teil des Lohns von Beamten und beamtenähnlichen Berufsgruppen

Wie wirkten sich Sporteln auf das Einkommen von Hebammen aus?


In Uri und Glarus gehörten auch Hebammen zu den Empfängerinnen von Sporteln. Sie waren zwar von den Gemeinden angestellt und erhielten ein fixes Jahressalär von rund 30 Franken. Aber das war schon damals deutlich zu wenig für den Lebensunterhalt. Im Vergleich dazu erhielt ein Fabrikarbeiter zwischen 80 Rappen und 2 Franken pro Tag, was einen Jahreslohn von mehreren hundert Franken ausmacht. Auch das war sehr wenig, denn, gerade in Krisenzeiten stiegen die Preise oft auf das Doppelte oder Dreifache des üblichen.


Den Hauptteil des Einkommens von Hebammen bildeten daher Sporteln, die pro Geburt oder Zusatzleistung anfielen und von den Gebärenden selbst bezahlt wurden. Das bedeutete: Jede Geburt, jeder Weg zu einem abgelegenen Hof und jede zusätzliche Hilfeleistung in den ersten Lebenswochen des Säuglings war mit eigenen Sporteln verbunden, deren Höhe von den Behörden festgelegt war, um Wucher zu vermeiden.


Die Gemeinden konnten je nach Besitzstand einer Familie unterschiedlich hohe Sporteln festlegen. Das heisst, reichere Frauen mussten etwas mehr bezahlen als völlig verarmte.


Eine Hebamme in Uri oder Glarus war für mehrere hundert Einwohner zuständig. Das bedeutete, dass es in kleinen Gemeinden wie Flüelen nur eine einzige Hebamme gab. Sie musste Tag und Nacht bereitstehen. Dauerte eine Geburt besonders lange, erhielt sie keinen zusätzlichen Lohn. Doch die Geburten fanden unregelmässig statt. So wusste eine Hebamme nie, wie viel Geld sie im nächsten Monat zur Verfügung hatte.


Konnte eine Familie die Sporteln nicht bezahlen, sprang die Gemeinde ein. Das Verfahren war mühsam und dauerte lange. Manchmal erhielt die Hebamme auch Naturalien: einen Sack Mehl, ein Stück Speck, Brennholz. Diese Praxis war in den Berggemeinden fest verankert.


Zusammenfassung

Sporteln waren ein fester Lohnbestandteil von Beamten, zu denen auch Hebammen gehörten. Sie konnten von ihrer Tätigkeit kaum leben, obwohl sie so viel Verantwortung trugen. Hebammen waren entweder auf Nebentätigkeiten angewiesen oder auf das Einkommen ihrer Männer und Kinder. Trotzdem war der Beruf unter Frauen begehrt, weil er einer der wenigen war, die Frauen im 19. Jahrhundert selbstständig ausüben konnten.


Quellen







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