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historischer Roman aus Uri - die Urgrossmutter

Leseprobe
aus dem historischen Roman "Schicksalswendungen"
Band 2 von "Die Urgrossmutter"  

Ein Frauenleben in Flüelen, Uri, zwischen 1875 und 1892

Cover Band 2 -3.jpg

Historischer Roman "Die Urgrossmutter", Band 2 "Schicksalswendungen"

Der historische Roman Schicksalswendungen erzählt die Geschichte einer jungen Frau in Flüelen, Uri, die das Hotel Helvetia übernehmen möchte. Es dauert etliche Jahre, bis ihr das gelingt.

Die folgende Leseprobe ist das erste Kapitel nach den Stammbäumen und einer Personenübersicht. 

Sie gibt eine Zusammenfassung des ersten Bandes und schildert die Situation der nunmehr verheirateten Josi.  

Wörter mit * werden im Anhang erklärt. Dort gibt es zudem ein umfassendes Quellen- und Literaturverzeichnis.

22 Jahre alt

Oktober 1875

In der Morgendämmerung fiel nur spärliches Licht durch das geöffnete Fenster. Die gegenüberliegende Hauswand starrte drohend auf Josi, die eben die Augen aufgeschlagen hatte und seufzte. Es war ein tiefer, schmerzerfüllter Seufzer, als ihre tas­tende Hand das Bett ihres Gatten leer fand. So war es die gan­zen letzten Tage gewesen, obwohl sie erst seit einigen Wochen verheiratet war. Sollte das nun immer so weitergehen? Sie hatte sich ausgemalt, ihr Leben mit Franz zu teilen, hatte gehofft, mit ihm an ihrer Seite alle Schwierigkeiten zu meistern, weil sie sich ihm verbunden fühlte. War das nicht der Zweck einer Ehe?

Stattdessen ließ er sie trotz der frühen Stunde allein im Gast­haus ihrer Schwiegereltern zurück, wo sie sich noch immer nicht wirklich dazugehörig fühlte. Franz war bereits zu seiner Arbeit in Altdorf aufgebrochen. So war ihr Alltag. So war der Alltag der meisten Menschen im Dorf. Der Mann hatte Pflichten außerhalb des Hauses, während die Frau allein zurückblieb. Nur hatte Josi geglaubt, dass sie beide etwas Besonderes wären, dass sie sich gemeinsam ein besseres Dasein erschaffen könnten, als es die meisten im Ort wünschten. Sie hatte angenommen, er respektiere ihren Wunsch ein eigenes Geschäft zu führen und unterstütze sie darin. Er war hingegen zu beschäftigt, um ihre Sorgen auch nur wahrzunehmen.

Enttäuscht rollte sie sich auf die andere Seite, setzte sich auf, um mit den Fü­ßen ihre Schuhe zu suchen und sich danach anzukleiden. So hatte sie sich ihr Eheleben nicht vorgestellt, als sie Franz vor einigen Wo­chen das Jawort gegeben hatte. Aber, wenn sie ehrlich zu sich selber war, hatte sie sich überhaupt nicht viel vorgestellt.

Als Franz sie vor ein paar Monaten ganz überraschend gefragt hatte, ob sie seine Frau werden wolle, schien es die perfekte Lö­sung – für alle. Eigentlich hatte Josi gar nie heiraten wollen. Sie hatte davon geträumt, eine Lehre als Buchhalterin zu machen und in einer großen Firma in Zürich zu arbeiten, in einer Textil­fabrik oder in einem Handelsunternehmen. Doch solche Träume waren dazu bestimmt, Träume zu bleiben. Für Mädchen war es schier unmöglich eine angemessene Ausbildung zu erhalten, wie sie für so eine anspruchsvolle Arbeit vorausgesetzt wurde. Der kaufmännische Verein nahm nur Burschen in seine Kurse auf. Zu­dem hätte der Vater ihre Lehre nie bezahlt. Wozu brauchte ein Mädchen einen Beruf? Sie würde heiraten und Kinder kriegen. Das entsprach der vorherrschenden Meinung. Trotzdem hatte Josi an ihrem Traum festgehalten, hatte eisern jeden Rappen für eine Fahrkarte nach Zürich gespart, bis sich eines Tages auch das Schicksal gegen sie verschworen hatte.

Sie war in einer Sägerei am Gruonbach außerhalb des Dorfes Flüelen am Vierwaldstättersee aufgewachsen. Nach einem Kna­ben war sie die älteste Tochter von 16 Kindern. Wie ein zwei­tes Mütterchen hatte sich Josi seit frühester Kindheit um ihre Geschwister gekümmert, hatte für sie gekocht, im Garten Ge­müse und Kräuter gezogen und Vorräte angelegt. Sie war es, die Windeln wusch und Hintern putzte, wenn der Mutter die Kraft fehlte, wie es immer häufiger vorkam. Sie war es, die mit den Kleinen spielte und mit ihnen das Lesen übte. Sie war es auch, die Kleider ausbesserte und bei der großen Wäsche half.

Dank ihrer Freude an Zahlen führte sie der Vater in die Grund­begriffe der Buchhaltung ein. Bald ging sie ihm bei seinen schriftlichen Arbeiten zur Hand und schulte dabei ihren Ge­schäftssinn. So lebte sie 20 Jahre lang im Kreis ihrer Familie als treue Stütze ihrer Eltern. Nur insgeheim hegte sie ihren Traum, irgendwann einen Beruf ergreifen zu können, um ein selbstbe­stimmtes Leben zu führen.

Eines Nachts zog ein Gewitter auf, wie es Generationen vor ihr nie gesehen hatten. Bald tobte der Bach, polterte, schwoll mehr und mehr an, bis er schließlich über die Ufer trat. In letzter Minute konnte sich die Familie auf ihr Ruderboot retten, während das Wasser ihr gesamtes Hab und Gut mit sich riss. Was für ein Schrecken! Nur knapp entkamen sie den zerstöreri­schen Fluten. Am nächsten Morgen zeigte sich das erschüt­ternde Ausmaß der Katastrophe. Die Säge war total zerstört, im See versunken, der Garten unter einer dicken Geröllschicht ver­graben, das Heim unbewohnbar. Die Familie zog ins Haus ihres Bruders nach Seedorf. Nur Josi durfte nicht mit.

„Es hat nicht genug Platz für dich, Josi. Du bist jetzt erwachsen und musst selbst für dich sorgen“, hatte ihr der Vater regungslos und ohne mit einer Wimper zu zucken mitgeteilt. Es hatte ihn nicht gekümmert, dass sie nicht wusste, wo sie eine Arbeit fin­den sollte, die ihr Freude bereitete. Von einem Tag auf den an­deren war sie auf sich gestellt, allein, ohne Aussicht auf eine ver­nünftige Stelle. War es nicht genug, dass sie ihre gesamte Aus­steuer und ihr Erspartes verloren hatte? Musste er sie auch noch vor die Tür setzen und aus der Familie verstoßen?

Wie tief war ihre Verzweiflung damals gewesen! Sie hatte sich keine Zukunft vorstellen können, die diesen Namen verdient hätte. Welche Wahl hatte sie denn ohne vernünftige Ausbildung und ohne jede Mitgift? Wer hätte um sie werben sollen, außer einem, der selbst nichts hatte? Zum Glück brauchte das Hotel Helvetia gerade eine Magd. Ohne diesen Arbeitsplatz wäre sie wohl ihr Leben lang eine einfache Dienstmagd, eine Wäscherin oder eine Näherin geblieben, und wäre als alte Jungfer ins Grab gestiegen.

Das erste Jahr im Hotel Helvetia war wie ein großes Abenteuer gewesen. Sie lernte in der Küche neue Speisen kennen und half beim Servieren mit. Manchmal unterstützte sie den Wirt bei seinen schriftlichen Arbeiten. Wohl oder übel putzte sie auch Zimmer, versah sie mit Kerzen und Streichhölzern und brachte angewärmtes Wasser zur Erfrischung der Gäste hoch. Am ekligsten waren die Nachttöpfe, die sie sehr vorsichtig über Treppen tragen musste, um sie im AB* zwischen den Stockwerken zu leeren. Denn wehe, es schwappte etwas vom Inhalt auf den Fußboden und die Flüssigkeit lief in dessen Ritzen! Der üble Geruch war kaum mehr zu beseitigen und auch das Schrubben mit Soda half nur bedingt.

Insgesamt gefielen Josi die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten, sodass sie nach und nach ein Gespür fürs Hotel entwickelte. Ein Leben in der Gastronomie konnte sie sich durchaus vorstellen. Sie betrachtete die Gäste als Teil einer Familie, die sich wohlfühlen sollten. Mit Leichtigkeit verstand sie es, unterschiedliche Probleme zu lösen. Den Fahrplan für die Dampfschiffe nach Luzern, die Kutschen über den Gotthard oder nach Brunnen kannte sie auswendig. Sie machte Vorschläge für Ausflüge in der näheren Umgebung oder empfahl eine Kur im Moosbad*. Ab und zu pries sie auch ihre Verwandten in Isenthal als erfahrene Bergführer an.

Die Arbeit im Wirtshaus erwies sich als Rettung. Zum ersten Mal in ihrem Leben verdiente sie mit ihrer Arbeit einen kargen Lohn. Es war nicht viel, trotzdem legte sie beharrlich jede Woche ein paar Rappen auf die Seite, ohne zu wissen, wozu sie dieses Geld verwenden würde. Es gab ihr ein sicheres Gefühl. Dank der Trinkgelder, die sie ab und zu erhielt, lagen bereits ein paar Franken in ihrem Sparstrumpf.

Josi kannte Franz, den zweitältesten Sohn des Wirtepaares, schon seit Jahren, so wie sich alle Leute im Dorf kannten. Aber ans Heiraten hätte sie nie gedacht. Sie mochte den aufgeweckten Burschen, fühlte sich auch ein wenig zu ihm hingezogen. Beim gelegentlichen Schäkern bemerkte sie ihre Wirkung auf ihn, genoss seine Verunsicherung und neckte ihn. Er war anders als andere Jungen, ruhiger, ohne Allüren. Ihm fehlte dieses Bedürfnis, stets im Mittelpunkt stehen zu müssen, das andere in seinem Alter zur Schau trugen. Wahrscheinlich war er so, weil er ein Künstler war, ein Künstler unter Fuhrleuten, Gepäckträgern oder Handwerkern, der nirgends wirklich dazugehörte. Er malte für sein Leben gern, konnte ganz in dieser Tätigkeit versinken, sodass er die spöttischen Bemerkungen der Dorfmannschaft gar nicht wahrnahm.

Ganz im Gegenteil, Franz pflegte seine eigenen Vorstellungen vom Leben, kümmerte sich wenig um die Meinung der Leute, auch nicht um die Meinung seiner Eltern. Er dachte gar nicht daran, eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Trotzig forderte er ein Leben, das seinen Vorstellungen entsprach. Er wollte sich keinen fremden Wünschen beugen, sondern selbst bestimmen.

Seine Leidenschaft galt ganz den Farben. Gegen den Willen seines Vaters absolvierte er eine Lehre als Maler, verdiente selbst das Geld, um sich in München als Dekorationsmaler weiterzubilden. Nach seiner Rückkehr eröffnete er in Flüelen sogar ein Malergeschäft. Dieser Widerspruchsgeist, dieser Drang seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, das gefiel Josi, besaß sie doch ähnliche Wesenszüge. In der Fremde war er zu einem schmucken jungen Mann mit einem dichten Vollbart geworden. Die gezwirbelten Enden seines Schnauzers zeugten von einer gewissen Eitelkeit, die wohl seine Weltgewandtheit illustrieren sollte, denn kein anderer Flüeler war je in München gewesen.

Franz wurde nicht müde Josi zu skizzieren. Sie fühlte sich geschmeichelt, dass er sie, die mittellose Magd im Hotel seiner Eltern, als Modell nahm. Sein aufmerksamer Blick, dem keine Kleinigkeit entging, vermochte sie zu berühren. Sobald er einen Zeichenstift in der Hand hielt, war er wie ausgewechselt. Seine Miene wurde ernst, seine Striche führte er präzise, sein Blick wanderte unentwegt zwischen ihr und seinem Block hin und her. Manchmal hatte Josi das Gefühl, Franz könne ihr Innerstes erkunden. Dann empfand sie eine Verbundenheit und Vertrautheit, die sie sonst nicht kannte.

Der Konflikt mit seinem Vater hatte Franz zum überraschenden Heiratsantrag veranlasst. Ohne sich je wirklich nähergekommen zu sein, hielt er um Josis Hand an. Der Wirt bestand nämlich darauf, das Hotel müsse in der Familie bleiben. Da der Älteste kränkelte, kam nur Franz als Nachfolger infrage. Mit der Drohung, Franz zu enterben und ihn aus der Familie zu verstoßen, setzte er seinen Sohn gewaltig unter Druck. Die Idee, Josi solle das Hotel führen, während Franz sein Malergeschäft betrieb, schien der erhoffte Ausweg, bei dem jeder das erhielt, was er wünschte. 

Josi ließ sich nicht lange bitten. Sie sah die Hochzeit als Gelegenheit ihren Traum umzusetzen, letztendlich einen Betrieb führen zu können. Wirtin eines Hotels! Was für eine Herausforderung! Abwechslungsreich, verbunden mit der Welt, am Puls der Zeit. Eine solche Chance würde sich kein zweites Mal bieten. Es schien wie ein Wunder, dass ausgerechnet sie Franz bekam. Immerhin war er eine der besten Partien im Dorf. Wer würde da zögern oder zu lange nachdenken? So war es ausgemacht und die beiden vermählten sich.

Doch es sollte anders kommen.

Nicht sie lebte ihren Traum, sondern Franz. Nur wenige Tage nach der Heirat in Einsiedeln, nahm er einen lukrativen Auftrag in Altdorf an. Jeden Tag verließ er das Haus vor dem Morgengrauen und kam erst spät zurück, während Josi wie zuvor im Betrieb mitarbeitete. Der Unterschied bestand allerdings darin, dass sie der Schwiegervater nicht länger dafür bezahlte.

„Du gehörst jetzt zur Familie. Da ist es selbstverständlich, dass du nach Kräften mithilfst. Es ist die Aufgabe deines Mannes, als dein Vormund, für dich aufzukommen. Er verdient ja genug für euch beide. Wozu brauchst du eigenes Geld?“

Das hatte sie nicht bedacht, wie sie so Vieles nicht bedacht hatte. Völlig blauäugig war sie gewesen, hätte sich nie vorstellen können, wie sehr sie sich nun ausgenutzt und hintergangen fühlte. Schlimmer war noch, sie saß in einer Falle, aus der es keinen Ausweg gab. Eine Ehe galt für die Ewigkeit, egal unter welchen Voraussetzungen sie geschlossen wurde. Josi war vor den Altar getreten, hatte vor Gott versprochen, Franz eine gute Ehefrau zu sein, ihm zu dienen und ihn zu ehren, bis dass der Tod sie scheiden würde. Sie konnte diese Entscheidung nicht mehr rückgängig machen. Nie mehr.   

Seit der Hochzeit war sie nicht nur Frau Ziegler, sie war Teil einer Familie. In dieser Familie hatte jeder seinen Platz. Ihr Platz als Schwiegertochter war ganz unten. Niemand interessierte sich für sie und ihre Bedürfnisse. Durch die Heirat hatte sich ihre Lage nicht wie erwartet verbessert, nein, es war alles schwieriger geworden. Da Franz den ganzen Tag außer Haus war, hatte sie in ihm keinen Verbündeten. Er kümmerte sich lediglich um sein Geschäft. Trotzdem war er ihr Vormund, der ganz nach seinem Willen über das Leben von ihnen beiden bestimmen konnte.

Nie hätte sie sich vorstellen können, dass sich ihre Stellung in einer neuen Familie derart verschlechtern würde. Zuhause, am Gruonbach, hatte sie zu den Großen gehört. Sie hatte eine wichtige Rolle gespielt, auch wenn sie nur ein Mädchen war. Zu ihr liefen die jüngeren Geschwister, wenn die Mutter unpässlich war. Sogar die Brüder, die jüngeren wenigstens, zeigten Respekt, wenn sie ihnen Aufgaben verteilte. Und auch die Eltern zollten ihr immerhin eine Spur Anerkennung für ihre Arbeit.

Hier jedoch war sie nur die Angeheiratete. Von der anfänglichen Vertrautheit zwischen der Schwiegermutter und Josi war nicht viel geblieben, nach und nach hatten sich die Rollen eher vertauscht. Nachdem Josi als Magd ins Hotel gekommen war, hatte sie die Wirtin etwas unter ihre Fittiche genommen. Anfänglich hatte sie in Josi eine neue Tochter gesehen, weil die eigenen Mädchen bereits ausgeflogen oder gestorben waren. Mit den Jahren drückte der Schmerz über fünf verlorene Kinder immer schwerer, erstickte ihre Lebensfreude, fraß die Lebenskraft und ließ sie schneller altern als ihren Mann. Sie trauerte jedem einzelnen nach, gefangen in ihrem Kummer. Kam hinzu, dass auch ihr ältester Sohn, Georg, kränkelte. Sein anhaltender Husten wollte seit Jahren nicht bessern. Dieser Junge war Anlass zu fortwährender Sorge. Oft saß die Schwiegermutter in irgendeiner Ecke, nahm nur durch einen Schleier wahr, was um sie herum geschah. Schuldgefühle, als Mutter versagt zu haben, raubten ihr die Worte. Darum versuchte ihr Josi oft Trost zu spenden.

Dann war da noch Franz’ jüngere Schwester Hanni. Der Kopf des lebenslustigen Mädchens steckte irgendwo in den Wolken. Nur widerwillig war die hübsche Neunzehnjährige vor ein paar Monaten ins elterliche Hotel zurückgekehrt, um auszuhelfen. Der Betrieb brauchte eine zusätzliche Arbeitskraft, weil die Wirtin an geschwollenen Knien litt, die ihr das Gehen zusehends erschwerten. Hanni liebte das Leben, war voller Tatendrang, und wartete nur auf eine Gelegenheit, von hier wegzukommen, wie sie immer wieder betonte.

Die eigene Familie sah Josi nur selten. Einige ihrer Brüder und Schwestern arbeiteten bereits auswärts, die jüngeren wohnten mit den Eltern noch immer in Seedorf. Vaters Verhalten nach der Katastrophe dämpfte Josis Wunsch ihre karge Freizeit für Besuche zu opfern. Noch immer verspürte sie deswegen einen Stich in ihrem Herzen. Kein Wort des Dankes für die jahrelange Arbeit zuhause, kein Lohn, keine Mitgift, als ob der Verlust des Elternhauses ihre Schuld gewesen wäre und sie deswegen nicht mehr zur Familie gehörte. Was konnte sie denn dafür, dass der Bach ihrer aller Leben zerstört hatte?

Nun empfand sie sich je länger je weniger irgendwo zugehörig. Stets hatte man ihr gesagt, die Familie bedeute Zusammenhalt, in der Not sei man für einander da. Josi zweifelte allerdings, ob dem tatsächlich so sei. Niemand war für sie da, niemand, der sie unterstützte oder ihr wenigstens zuhörte. In ihrer neuen Familie war sie lediglich geduldet. Aber Zusammenhalt, das hatte sie noch nicht erlebt.

Zudem erschütterte noch etwas Anderes Josis Glauben an die Familie. Sie war davon überzeugt gewesen, in einer Familie vertraue man sich. Das hatte sie in der Schule und auch in der Christenlehre gelernt. Man halte zusammen, was auch geschehe, da sei ein Wort ein Wort.

Darum hatte sie dem Schwiegervater geglaubt, als er ihr die Nachfolge für das Hotel angeboten hatte. Nie hätte sie gedacht, dass er ganz andere Pläne für seinen Sohn hegte und keineswegs daran dachte, ihm seinen Willen zu lassen. Er hatte in Josi eine billige und folgsame Arbeitskraft an Franz‘ Seite gesehen, die sich durchaus für einen Gastbetrieb eignete. Im Stillen hoffte er allerdings, Franz käme durch die Heirat zur Vernunft. Ein Gasthaus brauchte einen Mann als Wirt! Was denn sonst?

Damals hatte der Schwiegervater Josi eingelullt, hatte ihr versichert, er wünsche sich nichts mehr, als dass sie den Betrieb weiterführe. Sogar einen Vertrag hatte er ihr angeboten, damit alles seine Richtigkeit habe. Was für wohltuende Worte waren das, Balsam für ihre gekränkte Mädchenseele, die sich nach Anerkennung sehnte. Natürlich unterschrieb sie, ohne genau zu lesen, was darinstand. Wie hätte sie ahnen können, dass er seine Meinung so schnell ändern würde?

Denn seit ihrer Hochzeit wollte der Schwiegervater sich nicht an seine Abmachung erinnern. Sein Zutrauen in sie war wie weggeblasen. Er kritisierte und verletzte sie oft ohne ersichtlichen Grund. Er wollte nur seinen Sohn mit der Leitung des Hotels betrauen.

Gerade vor ein paar Tagen hatte Josi gehört, wie er seinen Freunden Franz als seinen Nachfolger präsentierte. Während sie das Bier für die Männer am Stammtisch zapfte, prahlte der Schwiegervater mit den vielseitigen Begabungen seines Sohnes. Er lerne mit seinem Malergeschäft das Unternehmertum, damit er später als Wirt umso erfolgreicher sei. Kein Wort von Josi. Kein Wort über ihr Arrangement!

„Franz wird den Betrieb in drei Jahren übernehmen. Noch hat der Junge zwar einige Flausen im Kopf, aber die werde ich ihm schon austreiben. Wenn er erst einmal eigene Kinder hat, wird er von selbst zur Vernunft kommen.“

Es war nicht zu fassen! Der Schwiegervater hatte sein Versprechen wohl gänzlich vergessen. In stummer Wut stellte Josi die Gläser mit einem dumpfen Schlag auf den Tisch und würdigte keinen der Gäste eines Blickes, sondern drehte sich abrupt ab, um schnellstmöglich die Gaststube zu verlassen. Wie konnte er bloß?

Als sie den Schwiegervater am folgenden Morgen zur Rede stellte, gab er sich arglos. Ein leises Lächeln, das um seine sonst immer verkniffenen Lippen spielte, verriet allerdings, dass er alles von langer Hand geplant hatte. Er war kein Mann, der sich von seinen Kindern auf der Nase herumtanzen ließ. Als angesehenes Mitglied verschiedener Räte war er gewohnt Befehle zu erteilen und seinen Willen durchzusetzen. Er würde sich von einer jungen Frau ganz bestimmt keine Vorschriften machen lassen.

„Hast du vergessen, dass wir einen Vertrag unterzeichnet haben?“, fragte er mit einem feindseligen Unterton in der Stimme. „Darin habe ich die Leitung des Hotels an eine Bedingung geknüpft, und die lautet, dass du dich bewähren musst. Im Moment sieht es leider nicht danach aus.“ Völlig benommen starrte ihn Josi an, unfähig, etwas zu erwidern.

„Es tut mir leid, Josi, deine Bewährungsfrist ist noch nicht um. Ich werde dich genau beobachten. Momentan könnte ich dir das Hotel nicht anvertrauen, das verstehst du bestimmt.“

„Du wolltest mich doch am Anfang unterstützen, mir alles zeigen, damit ich lernen kann.“

„Davon steht nichts im Vertrag.“

Unter seinen buschigen Augenbrauen warf er Josi einen so schneidenden Blick zu, dass sie sich fürchtete. Der Schwiegervater war wahrlich kein Mann, zu dem sie leicht hätte Vertrauen fassen können. Wie hatte sie annehmen können, er meine es gut mit ihr? Für sie war er auch kein Mann zum Streiten. Nie hätte sie ihm Paroli bieten können. Was sollte sie bloß tun?

Von unten hörte sie laute Stimmen und fuhr erschrocken hoch. Sie hatte die Zeit vollkommen vergessen! Sie wurde für den Frühstücksdienst erwartet. Das würde den Schwiegervater in seiner Ansicht bestärken, sie sei unzuverlässig und für eine Nachfolge ungeeignet. Was für ein neues Donnerwetter würde es gleich absetzen! Eilig hastete sie die Treppe hinunter, wo ein Gast eben mit ihrem Schwiegervater stritt.

„Diese Rechnung werde ich auf gar keinen Fall bezahlen“, brüllte der Mann wütend, während sich sein Gesicht rot verfärbte. Herr Haitzinger war ein anspruchsvoller deutscher Handelsreisender, der am Vortag auf seinem Weg in den Süden im Hotel Helvetia abgestiegen war.

„Die Suppe war schlicht ungenießbar. Ich habe nur drei Gläser Wein getrunken, nicht vier, wie hier steht, und die Bedienung war miserabel!“

„Mein Herr, das können wir nicht machen“, erwiderte der Schwiegervater händeringend. Er versuchte seinen Zorn im Zaum zu halten. Er hasste unzufriedene Gäste, auch wenn ihm diese Reklamation irgendwie verdächtig vorkam. „Wenn es etwas zu beanstanden gibt, dann entschuldigen wir uns dafür. Bei allem Respekt, aber ganz ohne Bezahlung geht es trotzdem nicht.“

Er entdeckte Josi auf dem untersten Treppenabsatz: „Ah, beehrt uns die Dame auch mal wieder. Du bist zu spät!“, schnauzte er Josi vorwurfsvoll an.

„Und was hat es mit dieser Reklamation auf sich? Der Herr hier beanstandet die Suppe von gestern Abend.“ Angelockt vom Tumult an der Réception, war auch der Koch Xaver aus der Küche herbeigeeilt.

„Ich kann da gar nichts dafür“, befleißigte er sich zu betonen. Ein fieses Grinsen verriet, dass er den Ärger des Wirtes genoss. Das war genau, was er beabsichtigt hatte. „Gestern Abend war Josi ganz allein für die Suppe zuständig.“ Er strich sich über seinen blonden Schopf, als ob er betonen wollte, dass ihn das alles nichts anging.

Josi traute ihren Ohren nicht. Wie konnte er so etwas behaupten! Sie hatte die Suppe abgeschmeckt. Sie war gut, sehr gut sogar, lobten die übrigen Gäste. Darum war sich Josi sicher, dass Xaver hinter ihrem Rücken dem verspäteten Gast zusätzlich Salz und Pfeffer hinzugefügt hatte.

„Das stimmt nicht“, versuchte sie sich verzweifelt zu rechtfertigen. Vor lauter unterdrückter Wut kippte ihre Stimme in einen unangenehm schrillen Ton, sodass ihr keiner glaubte. „Die Suppe war tadellos, als ich sie vom Herd nahm. Jemand muss nachgewürzt haben, ohne das mit mir abzusprechen.“

„Das ist ja noch schöner, pfuschen, um dann andere anzuschwärzen“, giftete nun der Gast voller Empörung. „Ich sage ja immer, Weiber sollten in der Küche höchstens Geschirr spülen. Zu etwas Anderem taugen sie nicht.“

„Meine Rede“, unterstützte ihn Xaver mit einem triumphierenden Blick in Josis Richtung. Seine feisten Backen blähten sich dabei, sodass er einem nach Luft schnappenden Karpfen glich.

Wie sehr sich Xaver in den letzten Monaten verändert hatte! Als sie ihre Stelle im Hotel Helvetia vor zwei Jahren angetreten hatte, war alles ganz anders. Der junge Koch hatte sich ein wenig in sie verguckt. Er mochte ihre kecke Unbekümmertheit und bewunderte ihr Können. Seine Schmeicheleien gefielen Josi zwar, aber Hoffnungen hatte sie ihm nie gemacht.

Nachdem sie sich mit Franz verlobt hatte, kühlte seine Freundschaft merklich ab. Er zeigte ihr keine Kniffe mehr, schwieg während der Arbeit oder kritisierte sie heftig für kleinste Fehler. Nach der Hochzeit war Xavers Verhalten in pure Feindschaft gekippt. Es war nicht zum ersten Mal, dass er absichtlich Speisen verdarb, um Josi vor dem Wirt in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Der glaubte dem Koch natürlich eher als ihr.

„Josi, du entschuldigst dich sofort bei Herrn Haitzinger!“, befahl der Wirt mit einem wütenden Blick auf seine Schwiegertochter. „Und was hat es mit dem Wein auf sich?“

Inzwischen hatte sich Josis Wut in ein Gefühl völliger Hilflosigkeit verwandelt. Tränen drängten nach draußen, die sie nur mit Mühe zurückhalten konnte, um nicht den letzten Rest Respekt der drei Männer zu verlieren.

„Entschuldigung“, stieß sie halbherzig zwischen zusammengepressten Zähnen und mit hängendem Kopf hervor. „Jedem kann mal ein Fehler passieren. Es tut mir leid.“

Verlegen wischte sie sich mit dem Handrücken über die Augen, versuchte sich zu fassen. „Beim Wein allerdings muss ich sagen, es waren bestimmt vier Gläser, eines gleich nach der Anreise gestern, und drei zum Abendessen. Wahrscheinlich hat Herr Haitzinger das erste Glas vergessen.“ Trotzig schaute sie dem Mann direkt in die Augen, doch der versteckte jegliche Unsicherheit hinter seinem lauten Auftreten.

„Was für eine ungeheuerliche Frechheit“, entrüstete er sich übertrieben heftig, „mir mehr zu berechnen, als ich konsumiert habe. Jetzt reicht es!“ Er schlug mit der flachen Hand so laut auf den Tresen der Réception, dass alle unwillkürlich zusammenzuckten.

Josi war sich ganz sicher, dass er mit seinem unflätigen Benehmen lediglich den Preis zu drücken versuchte. Auch die Suppe hatte er fast ganz aufgegessen, bevor er reklamierte. So salzig und scharf, wie er beanstandete, war sie bestimmt nicht gewesen. Was sollte sie tun? Sie konnte noch so beteuern, dass der Gast lediglich ein übles Spiel spielte, niemand würde ihr glauben. Sie sah sich hilfesuchend um, doch da war niemand, der ihr hätte zu Hilfe eilen können. So belebt die Gaststube sonst immer war, ausgerechnet jetzt ließ sich niemand blicken.

„Beruhigen Sie sich, mein Herr“, versuchte der Wirt die Situation zu entschärfen. „Wir erlassen Ihnen die Suppe und das irrtümlich berechnete Glas Wein. Die Übernachtung und das Frühstück müssen Sie trotzdem bezahlen. Können wir den Streit damit beenden?“

Mit einem hastigen Blick auf seine Taschenuhr willigte Herr Haitzinger schließlich ein: „Von mir aus. Aber beeilen Sie sich, die Postkutsche wartet nicht. Seien Sie indes sicher, dass ich Ihr Hotel nirgends empfehlen werde.“

„Ich muss schon sagen, noch nie hat mich jemand so enttäuscht wie du, Josi. Wie konnte ich nur so blind sein“, schnaubte jetzt der Schwiegervater.

Innerlich zitternd, richtete sie sich trotzdem etwas auf. Wenn sie jetzt nicht widersprach, würde sie ihn in seinem Glauben bestärken, dass sie für die Arbeit im Gasthaus, geschweige denn als Wirtin, völlig ungeeignet war. „Ich werde mir etwas überlegen, wie wir solche Unstimmigkeiten in Zukunft vermeiden können. Vielleicht mit einem anderen System wie wir die Belege aus Küche und Zimmer sammeln und buchen. Vielleicht mit einer Unterschrift der Gäste, die eine Bestellung bestätigen…“, versuchte sie ihn zu beschwichtigen.

Der Schwiegervater ließ sie nicht ausreden. „Was fällt dir ein, mich vor den Gästen zu kritisieren! Noch habe ich hier das Sagen. Noch bestimme ich“, wetterte er lautstark. „Ich sehe keinen Grund, warum wir etwas Bewährtes verändern sollten. Was verstehst du schon von der Hotellerie als Tochter eines Sägers? Und nun scher dich in die Küche, schäl‘ die Kartoffeln oder scheuere die Töpfe, aber wage es nicht, noch einmal etwas zu kochen. Sieh zu, dass du nicht noch mehr Schaden anrichtest!“

Er wandte sich von Josi ab, griff zu Feder und Papier und begann umständlich die Rechnung für Herrn Haitzinger neu zu schreiben.

Bis in die Knochen gedemütigt, begab sich Josi in die Küche. Xaver folgte ihr dicht auf den Fersen.

„Als nächstes werde ich dich schmoren lassen, du blödes Huhn. Wehe, wenn ich wegen dir noch einmal in Schwierigkeiten gerate!“

Er ließ offen, was dann geschehen würde, und Josi wollte es auch gar nicht hören. Wortlos begab sie sich zum Schüttstein*, um sich den verkrusteten Töpfen zu widmen, die sie übertrieben heftig auf die harte Unterlage schlug. Sie zitterte, biss die Zähne zusammen, atmete tief durch, so gut sie konnte. Jetzt ja nicht weinen, befahl sie sich. Diesen Triumph wollte sie Xaver nicht gönnen.

–

Den ganzen Tag lang plagten Josi trübe Gedanken, weil sie keinen Ausweg sah. Ihre Situation schien aussichtslos. Der Koch machte ihr das Leben zur Hölle wie seinerzeit ihr Bruder Klaus, während der Schwiegervater ihr die Rolle einer Küchenmagd zuwies. Aus war der Traum Wirtin zu werden.

So schnell wollte sich Josi jedoch nicht geschlagen geben. Sie brauchte einen Plan, um den Schwiegervater umzustimmen. Es durfte nicht sein, dass er sie so mir nichts dir nichts kaltstellte, nicht, nachdem er vor der Hochzeit selbst gesagt hatte, er traue ihr das Führen eines Hotels zu. Er hatte gesehen, wie schnell sie lernte. Er selbst hatte gewünscht, dass sie seine Nachfolgerin würde! Und nun das! Noch nie hat mich jemand so enttäuscht wie du!

So sehr Josi auch grübelte, die zündende Idee wollte sich nicht einstellen. Zu sehr rumorte es in ihr, zu sehr fühlte sie sich durch die ungerechten Anschuldigungen verletzt, zu sehr wallte ihre Wut auf, als dass sie einen klaren Gedanken hätte fassen können. Wieder und wieder spielten sich in ihrem Geist Szenen der vergangenen Wochen ab, ohne dass es sie beruhigt hätte. Sie fand keine Ruhe.

Am Abend konnte sie sich endlich ins eheliche Schlafgemach zurückziehen, ihrem einzigen privaten Rückzugsort im ganzen Haus. Hier war sie ungestört, konnte ihren Gedanken nachhängen. Aber so richtig privat war dieser Raum auch nicht. Durch die Wände, so dünn wie Papier, hörte sie die Gespräche der Schwiegereltern im Raum nebenan, ob sie wollte oder nicht. Das dunkle Brummen des Schwiegervaters wurde nur selten von einer hohen Stimme unterbrochen.

Im Bett wartete Josi ungeduldig auf Franz. Inzwischen hatte sie sich an seine sanften Hände gewöhnt, genoss seine Liebkosungen und sehnte sich danach. Einzig, wenn er sie nach einer gewissen Zeit an ihre eheliche Pflicht erinnerte, wurde es unangenehmer. Schwer atmend lag er dann auf ihr, und sein Drängen und Stoßen verursachte Schmerzen. Meistens verspürte sie Erleichterung, sobald er sich nach einem erlösenden Seufzer wegdrehte und ziemlich schnell einschlief. Auch fürchtete sie, dass die Schwiegereltern nebenan alles mitverfolgten, was im Schutze der Dunkelheit zwischen ihnen geschah. Würde Josi ihnen den sehnlichen Wunsch nach einem Enkel bald erfüllen können?

An jenem Abend verlangte sie jedoch nicht nach Franz‘ Zärtlichkeiten. Ihr war gar nicht danach zumute. Sie wollte mit ihm reden, ihm ihren Kummer anvertrauen. Er musste ihr zuhören und ihr helfen, einen geeigneten Plan zu schmieden, denn ohne Plan würde sie der Schwiegervater stoppen, bevor sie auch nur den Kern einer Idee vortragen konnte. Josi wollte wissen, wie Franz die Situation einschätzte. Merkte er überhaupt, wie unzufrieden seine Frau war? Konnte wenigstens er sich an die Abmachung erinnern und wie gedachte er sie als ihr Vormund zu unterstützen?

Reden konnte sie indessen mit ihm nicht, solange die Schwiegereltern wachlagen. Das würde jedes Vorhaben vereiteln. Sie musste damit warten, bis niemand mehr lauschte. Wispernd wimmelte sie Franz daher ab, sodass er sich wenig später umdrehte und sofort einschlummerte.

Als endlich aus dem Nebenzimmer lautes Schnarchen zu ihr herüberdrang, beruhigte sich allmählich der Tumult in Josis Innerem. Doch nun schlief auch Franz und sie wollte ihn nicht wecken, weshalb sie weiterhin mit ihren Fragen allein blieb. Je länger sie nachdachte, desto stärker empfand sie diesen unbändigen Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen, ein Geschäft zu führen, in dem sie bestimmte, das sie gestalten konnte. Für dieses Ziel würde sie kämpfen! Sie würde einen Weg finden, auch wenn sie gerade noch nicht wusste, wie. Aufgeben kam nicht infrage! Sie würde es allen, die an ihr zweifelten, schon beweisen! Tief drinnen wusste sie, dass sie ihr Ziel erreichen konnte.

Um einer Auseinandersetzung mit dem Schwiegervater aus dem Weg zu gehen, musste sie schlau vorgehen. Das war ihr klar. Was aber bedeutete das? Wie konnte sie schlau sein? Mit ihm zu streiten war, als ob sie den Gruonbach aufhalten wollte. Sie hätte keine Chance. Niemals. Zu mächtig war er, zu sehr gewohnt seinen Willen durchzusetzen.

Müdigkeit begann schließlich auch Josi zu übermannen. Sie raffte sich zu einem kurzen Gebet auf. Lieber Jesus, heilige Maria, Mutter Gottes, bitte helft mir! Zeigt mir einen Weg, wie ich den Schwiegervater umstimmen kann. Danke. Amen. Damit schlief sie ein.

Möchten Sie erfahren, wie es Josi schafft, trotz allen Hindernissen Wirtin zu werden?

Dann lesen Sie den Roman "Schicksalswendungen". Sie können ihn gleich hier auf der Website oder in jeder Buchhandlung kaufen.

Cover Historischer Roman Die Urgrossmutter Band 2 Schicksalswendungn von Eva-Maria Müller

Buchdaten

  • Autorin: Eva-Maria Müller

  • Umfang: ca. 512 Seiten

  • Historischer Roman

  • Erzählzeit: 1875 – 1892

  • Ort: Flüelen und Altdorf

  • gebundene Ausgabe: Fr. 34.90

  • E-Book (PDF und ePub): Fr. 15

Leserinnen und Leser sind begeistert 

Kostproben aus dem Feedback

Das heikle Thema "verdrängte Gefühle" angesprochen

Elisabeth Helbling
"
Dein Buch berührt das heikle Thema von verdrängten Gefühlen und dem seelischen Schmerz, zeugt aber auch von starkem Durchhaltewillen und grossem Wissensdurst der heranwachsenden Josi.
Dass sich auch heute Frauen unverstanden, zu wenig anerkannt, gar traumatisiert fühlen, wird in der Gesellschaft viel zu wenig wahrgenommen.
Mit Deinem Buch hast Du helfen können, Verständnis für alle jene geweckt, die im Stillen wirken und leiden. Du hast aber auch aufgezeigt, dass sich Kämpfen, Durchhalten lohnt.
Das positive Echo beweist doch, dass Deine mühselige Recherchier-Arbeit sich gelohnt hat - ein Bravo"

 

Ich könnte von meinen Urgrossmüttern auch solche Geschichten erzählen

Verena Müller-Heinzer

"Gestern habe ich Ihr Buch fertig gelesen und war die halbe Nacht drin.. Es war sehr spannend und ich denke, ähnliche Geschichten könnte ich über meine Urgrossmütter auch erzählen. Ich habe mich schon immer interessiert für meine Ahnen und meine alten Tanten haben mir aus dem kargen Leben von damals viel erzählt. Auch meine Urgrossmütter hatten haufenweise Kinder. Eine hatte 14, aber alle Söhne sind kurz nach der Geburt gestorben, das waren 7. Die 7 Töchter sind alt geworden eine sogar 101 Jahr alt. Das muss schrecklich gewesen sein, alle Söhne zu verlieren, Ich weiss aber nicht, warum das so war. Meine Mutter hätte auch keinen Beruf lernen dürfen, weil sie alles Geld der Haushaltstelle daheim abgeben musste. Sie war in einer Metzgerei und der Chef hat sie schon bald als Ladentochter eingeführt. Er meinte, sie müsse die Ladenlehre machen. Sie aber sagte, das würde mir mein Vater nie erlauben, sie müsse alles Geld daheim abgeben. Da meinte der Chef, sie könne diese gratis machen, bekomme denselben Lohn und er bezahle die Gewerbeschule, denn ihre Arbeit sei schon die einer ausgelernten Ladentochter.. Sie sagte es dem Vater erst, als sie das Abschlusszeugnis erhalten hatte. 2 Jahre später hat sie schon eine Bellfiliale geleitet, mit 23 Jahren. So bin ich voller Interesse in ihr Buch eingetaucht und es war, als würde auch meine Ahninnen erzählen. Ich habe Fotos bis zurück zu meinen Ururgrossmüttern. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung. Ich gratuliere Ihnen zu diesem spannenden Buch und danke für das ergreifende Schicksal."

 

Es weckt Erinnerungen

Rosmarie Blatter

"Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem schönen Buch. Eine ergreifende Geschichte zu Ehren Ihrer Urgrossmutter. Vieles weckt Erinnerungen in mir, auch wenn ich erst 74 Jahre alt bin. Wir waren 7 Kinder und sind sehr bescheiden aber wohlbehütet aufgewachsen im Berner Oberland."

 

Die Stellung der Frau hat mich erschüttert

Lisbeth Epp

"Herzlichen Dank für das Schreiben der beiden grossartigen Bücher. Als Urnerin habe ich viel Neues erfahren und konnte mich in die Lebensweise der damaligen Zeit hineinversetzen. Die Bücher sind spannend geschrieben, so dass ich sie im Nu gelesen hatte.

Was mich einmal mehr erschüttert hatte, ist die Stellung der Frau zu jenen Zeiten. Ein Mensch zweiter Klasse ohne rechtliche Ansprüche, was vor allem auf den "Gesetzen" der Kirche beruhte. Die Stigmatisierung von Schwangerschaft, Geburt und unehelicher Kinder war einfach unglaublich, als ob daran keine Männer beteiligt gewesen wären! Oder dass der Tod eines Kindes als Bestrafung für Ungehorsam oder Sünde angesehen wurde. Zum Glück hat sich in unseren Breitengraden vieles verändert, so dass Mädchen und Frauen grösstenteils gleichberechtigt sind und ungehindert Zugang zu Bildung haben. Leider ist es auf diesem Erdenrund nicht überall so und es scheint mir unfassbar, dass dies in unserer "aufgeklärten und digitalen" Welt noch möglich ist."

 

Selten hat mich etwas so berührt

Sonja

"Von meiner Freundin habe ich Band 1 und 2 bekommen. Ich habe schon immer viel gelesen in den letzten Jahren, jedoch vorwiegend spirituelle Bücher. Selten hat mich etwas so berührt und mich so beschäftigt wie diese beiden Bücher. Herzlichen Dank dafür."

 

Schade hatten wir keinen solch spannenden Geschichtsunterricht

Annemarie Schmid

"Mit grossem Interesse habe ich die Bücher mit der Geschichte von Josi gelesen. Wunderbar geschrieben und so aufschlussreich. Schade hatten wir damals in der Schule keinen solch spannenden Geschichtsunterricht. Der Bau der Bahn durch den Kanton wäre ja wirklich spannender gewesen als die Tell Geschichte."

Ein sehr wertvolles Buch

Marco Schenardi

«Ich habe deinen Roman mit grossem Interesse und Gewinn gelesen. Er öffnete mir den Blick in die Lebenswelt meiner Ahnen in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. Und vor allem wurde mir bewusst, was es hiess, zu diesen Zeiten eine Frau zu sein. Du hast da also ein sehr wertvolles Buch geschrieben. Vielen Dank dafür.»

 

Ich habe das Buch verschlungen

Irene
"Grüezi frau müller,ich hab das buch,die urgrossmutter band 2 verschlungen. das ist so super geschrieben. mich interessieren normalerweise solche alten geschichten nicht, aber dieses buch ist so gut geschrieben. auch weil es im kanton uri spielt. liebe grüsse und alles gute für sie."

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Historische Recherche

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Die Gotthardbahn veränderte das Leben im Kanton Uri. 

Josis Geschichte ist nicht frei erfunden, sondern beruht auf intensiver Recherche in Archiven und historischen Quellen. Die gefundenen Fakten habe ich miteinander zu einem historischen Roman verwoben.

Damit die vielen Details, die im Roman keinen Platz fanden, nicht verloren gehen, schreibe ich in einem historischen Blog über unterschiedliche Themen aus dem 19. Jahrhundert.

Ich habe z. B. einen Beitrag über das damalige Ehe- und Erbrecht verfasst, denn Josi musste sich auch als Witwe durchkämpfen. Ich erkläre auch historische Begriffe, z. B. Was sind Sporteln?

 

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