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Als Naturforscher das Isenthal entdeckten - die Anfänge des Alpinismus am Uri Rotstock

Im 19. Jahrhundert veränderte sich der Blick auf die Alpen allmählich. Sie waren nun nicht mehr nur eine Grenze zwischen Norden und Süden, sondern wurden im Kanton Uri erstmals als Reiseziel für Naturforscher und Abenteuerlustige entdeckt.


Die unerforschten Alpen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Schweiz noch nicht vermessen. Karten waren ungenau, die Alpen waren vielerorts weisses Gebiet. Viele Menschen fürchteten sich vor den Bergen, die sie als bedrohlich empfanden. Es brauchte Mut und Forschergeist, um sich in diese unbekannte Welt voller Gefahren zu wagen. Es waren Wissenschaftler und Naturforscher, die sich der Aufgabe stellten, in die Bergwelt vorzudringen, um mehr über sie zu erfahren.


Heinrich Zeller-Horner als Pionier im Isenthal

Anders als im Berner Oberland, wo vorwiegend Engländer mit sportlichen Ambitionen Erstbesteigungen meisterten, waren es in der Zentralschweiz zuerst Naturforscher, die eine Tour auf einen Berggipfel wagten. Einer von ihnen war Heinrich Zeller-Horner, der Sohn eines Zürcher Seidenfabrikanten, der in seiner Freizeit die Alpen bereiste. Er besuchte wenig bekannte Gebiete, die er topographisch und kartographisch erforschte. Zudem war er ein leidenschaftlicher Zeichner und Maler, der die Bergwelt mit Stift und Pinsel festhielt sowie Berichte über seine Reisen verfasste.


Im Jahr 1834 besuchte Zeller-Horner das Isenthal im Kanton Uri. Die Anreise war beschwerlich, denn die Axenstrasse war noch nicht gebaut. Er bestieg wohl in Luzern ein Ruderboot, denn auch Dampfschiffe gab es noch nicht. Die Fahrt auf dem See war vom Wetter abhängig, konnte bei Föhn sogar mehr als einen Tag dauern, weil man irgendwo die Fahrt unterbrechen musste.


Das abgelegene Isenthal war nicht befahrbar

Das Tal erreichte man auf Saumwegen von Seelisberg oder Seedorf aus, oder aber über hölzerne Leitern, die von der Schiffstation an der Isleten die erste Höhe überwanden. Die Wege waren so holperig, dass es in einem alten Text heisst, es gäbe keinen einzigen Karren dort. Er könne nirgends fahren. Sie seien auch nicht nötig, denn Männer und Frauen seien sehr stark und trügen mühelos schwere Lasten. Man kann also davon ausgehen, dass dieses abgelegene Tal nur sehr wenigen bekannt war.


Der Blick von der Oberalp ins Isenthal, gezeichnet von Heinrich Zeller-Horner, 1836
Der Blick von der Oberalp aus ins Isenthal, gezeichnet von Heinrich Zeller-Horner, 1836. Der Uri Rotstock ist der pyramidenförmige Gipfel ganz links im Bild.

Die Isenthaler waren gute Geschäftsleute

Das Leben im Tal war hart und einsam. Viele Bewohner verliessen es wohl nie, obwohl es auch schon damals regen Handel mit dem Urnerland gab. Wichtige Güter waren Vieh, Käse und Holz.


Schon damals gab es etwas ausserhalb des Dorfes eine Säge. Die Brüder Infanger hatten sie erbaut. Sie entwickelten ein spezielles Verfahren, mit dem sie sehr dünne Bretter schneiden konnten, vor allem aus dem begehrten Ahornholz. Diese Bretter hatten besondere Eigenschaften und eigneten sich für den Bau von Musikinstrumenten. Sie dienten als Resonanzböden für Klaviere, Bratschen oder Celli. Diese speziellen Bretter verkauften sie im ganzen Urnerland und vielleicht auch darüber hinaus. Die Familie Infanger hatte also schon früh eine lukrative Nische für den Holzhandel entdeckt.


Wie Heinrich Zeller-Horner das Isenthal bekannt machte

Heinrich Zeller-Horner bestieg als erster den Uri Rotstock. Das ist ein markanter Gipfel, von dem aus man einen Rundblick geniesst. Darum eignete er sich besonders gut, um das Gelände näher zu untersuchen.


Mehrmals kehrte Heinrich Zeller-Horner ins Tal zurück. Er zeichnete nicht nur eine Ansicht vom Grosstal auf einer seiner Touren. Er fertigte auch ein Relief des Uri-Rotstock-Massivs an, das heute im geografischen Institut der Universität Zürich aufbewahrt wird. Damit wurde die Gegend erstmals dreidimensional erfasst.


Das Relief des Uri Rotstocks von Heinrich Zeller-Horner 1834-1836
Das Relief des Uri Rotstock-Massivs von Heinrich Zeller-Horner, gefertigt 1834-1836

Zwischen Kunst und Wissenschaft

Heinrich Zeller-Horner war kein Geometer, aber seine Panoramen und Skizzen dienten Kartografen als visuelle Kontrollhilfe. Seine akribische Studien von Felsformationen und Schichtungen (wie jene des Uri Rotstocks) halfen der nachfolgenden Kartografen-Generation, Hochgebirge plastischer und naturgetreuer abzubilden.


Er war 1863 auch Gründungsmitglied der SAC-Sektion Uto. Seine Ansichten und Berichte wurden ab 1864 im Jahrbuch des Schweizerischen Alpenclubs veröffentlicht. Dadurch wurde das Tal unter Alpinisten und Touristen immer bekannter.


Ausblick

Mit seinen Zeichnungen, Berichten und dem Relief des Uri Rotstocks trug Heinrich Zeller-Horner wesentlich dazu bei, das Isenthal über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt zu machen. Was zunächst als wissenschaftliche Expedition begann, legte den Grundstein für den frühen Alpinismus in dieser abgelegenen Region. Doch jeder Naturforscher war auf Menschen angewiesen, die das Gelände kannten, sichere Routen fanden und Gefahren richtig einschätzen konnten. Wer diese ersten Begleiter waren und wie aus erfahrenen Jägern die ersten Bergführer des Isenthals wurden, erzählt der nächste Beitrag dieser Serie.


Der erste Bergführer war ein Onkel meiner Romanfigur Josi. Mehr zu ihrem Aufenthalt im Isenthal finden Sie im historischen Roman Mädchenträume. Darum habe ich zu diesem Thema recherchiert.


Quellen


Historische Fakten:

  • Ort: Uri Rotstock, Isenthal, Kanton Uri

  • Zeitraum: frühes 19. Jahrhundert

  • Themenbereich: Alpinismus

  • Folge: Die Forscher bereiteten den Weg zum späteren Tourismus in den Bergen. Sie ermöglichten genauere Karten.


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